Erika Schirmer ist 100 Jahre alt geworden. Gefeiert hat sie am 31. Juli dort, wo sie seit fast zehn Jahren zu Hause ist: im Seniorenpflegeheim Sonnenhof in Ilfeld, mit Bewohnern und Betreuern. Bürgermeister Stephan Klante gratulierte mit einem Blumenkorb und den Glückwünschen der ganzen Gemeinde.
Ihr Name sagt vielleicht nicht jedem etwas. Ihr Lied schon: „Kleine weiße Friedenstaube, fliege übers Land“ haben Generationen von Schulkindern gelernt. Ich selbst habe es in der Schule gesungen. Und vor fast 20 Jahren habe ich Erika Schirmer bei einer Veranstaltung in Nordhausen kennengelernt und sie interviewt. Deshalb ist dieser Artikel auch ein persönlicher Glückwunsch.

Geschrieben hat sie das Lied kurz nach ihrer Ankunft in Nordhausen, angeregt durch Picassos Friedenstaube. Da lag die Vertreibung aus ihrer schlesischen Heimat erst wenige Jahre zurück. Geboren am 31. Juli 1926, kam Erika Schirmer nach dem Krieg über das Eichsfeld und Rügen in den Südharz und blieb. Sie unterrichtete an der Grundschule in Nordhausen-Salza, ab 1972 kümmerte sie sich um Kinder und Jugendliche mit Behinderungen. Nebenher schrieb sie Gedichte und Geschichten, komponierte Lieder und schnitt Motive aus Papier, sehr oft mit Blick auf den Harz.
2013 machte Nordhausen sie zur Ehrenbürgerin, 2014 folgte ihre polnische Geburtsstadt Czerwieńsk, 2016 kam das Bundesverdienstkreuz am Bande dazu. Und erst Mitte Juni überreichte ihr Ministerpräsident Mario Voigt den Thüringer Verdienstorden.
Untätig ist sie im Sonnenhof nie geworden. Jeden Monat steuert sie einen neuen Scherenschnitt für den Infobrief des Sonnenhofs bei, freitags sitzt sie am Klavier, wenn der Chor probt. Die Gemeinde Harztor wünscht Erika Schirmer von Herzen Gesundheit und weiterhin gute Ideen für Papier und Klavier.
Dirk Daniel
