Harztor/Neustadt. Wer in den Ilfelder Regesten blättert, trifft die Grafen von Hohnstein immer wieder. Manchmal aber so, dass man zweimal hinschauen muss. Um 1307 stellt sich eine einfache Frage mit kniffliger Antwort: Wie viele Grafen namens Dietrich lebten damals gleichzeitig im Hause Hohnstein?
Schon um 1300 urkunden die Brüder Heinrich und Dietrich von Hohnstein als Dynasten. Wer die folgenden Jahre genauer liest, stößt auf ein genealogisches Rätsel. 1307 erscheinen in derselben Überlieferung drei Träger des Namens Dietrich (Theodericus). Genannt wird „Theodericus comes senior“ – Graf Dietrich der Ältere – mit den Söhnen Heinrich, Dietrich, Elger und Ulrich. Daneben stehen „Theodericus, Otto et Heinricus filii quondam Heinrici comitis piae memoriae“: Dietrich, Otto und Heinrich als Söhne des verstorbenen Grafen Heinrich seligen Angedenkens.
Damit sind drei Dietriche bezeugt: Graf Dietrich senior, sein gleichnamiger Sohn und ein weiterer Dietrich aus der Linie seines Bruders Heinrich. Dieser Bruder muss zwischen 1305 und 1307 gestorben sein. 1307 wird er bereits als „quondam“ bzw. „piae memoriae“ geführt – also als verstorbener Graf.
Zwei Jahre früher deutet sich dieselbe Konstellation schon an. Eine Urkunde von 1305 nennt „Henricus et Theodericus fratres, comites de Honstein“, ferner „Henricus et Theodericus filii mei“ sowie „Theodericus filius fratris mei“. Die Quelle trennt klar zwischen Heinrich und Dietrich als „meinen Söhnen“ und einem weiteren Dietrich als „Sohn meines Bruders“. Die beiden Hohnsteiner Zweige waren eng verflochten – und ohne diese Zusätze kaum auseinanderzuhalten.
Die Angaben von 1305 und 1307 fügen sich zusammen. Auf der einen Seite steht Graf Dietrich senior mit Heinrich, Dietrich, Elger und Ulrich. Auf der anderen die Söhne seines verstorbenen Bruders Heinrich III. aus der Sondershäuser Linie: Dietrich, Otto und Heinrich. Die Schreiber brauchten Zusätze wie senior, filius meus oder filius fratris mei. Ohne sie wäre schon den Zeitgenossen oft unklar gewesen, welcher Dietrich gemeint war.
Zwei Söhne Dietrichs senior schlugen den geistlichen Weg ein: Elger wurde Dompropst am Nordhäuser Stift, Ulrich erscheint in den Regesten als Domherr in Würzburg – mit Fragezeichen in der Vorlage, also nicht abschließend gesichert. Die Familie sicherte sich so Einfluss auch jenseits der Grafschaft.
Die drei Dietriche zeigen, wie schnell mittelalterliche Genealogie unübersichtlich wird, wenn über Generationen dieselben Vornamen wiederkehren. Gerade die scheinbar nebensächlichen Zusätze der Urkundenschreiber öffnen den Blick auf die Familiengeschichte hinter dem einen Namen.
Tim Schäfer, Heimatforscher
